| Juni 2025 Bild des Monats Eugen Spiro: Mußestunden im Garten Der Welt entrückt Dem Alltag zu entrinnen ist ein überzeitlicher Wunsch des Menschen. Wer privilegiert war, den zog es in den 1920er Jahren in die Sommerfrische. Die Landschaften vor dem Hochgebirge eigneten sich besonders für den erholsamen Sommeraufenthalt, nördlich der Alpen war es das bayerische Voralpenland, südlich des Alpenhauptkamms die Landschaft der Schweizer und italienischen Alpenseen. Eugen Spiro stand Mitte der 1920er Jahre auf dem Höhepunkt seines gesellschaftlichen Ansehens und beruflichen Erfolgs. Nunmehr gutsituiert, konnte er es seiner Familie ermöglichen, dem Lockruf des Sommers in den südlichem Gefilden zu folgen. Mit seiner jungen Frau Elisabeth und dem siebenjährigen Sohn Peter reiste er 1925 an den Lago Maggiore, ein Aufenthalt, der den Reigen der jährlichen Sommerreisen in die Mittelmeerländer eröffnen sollte, die auch in malerischer Hinsicht reiche Ausbeute tragen sollten. Der sommerliche Garten wird zum Refugium, in dem sich die Intimität des Familienlebens entfalten kann. Das Rondell, auf dem die Parkbank und der Tisch stehen, erinnert an einen Zauberkreis, der störenden Einflüssen von außen den Zutritt verwehrt, und die Bäume scheinen mit ihrem lichtgesprenkelten Schatten Mutter und Kind in ihre Obhut zu nehmen. Die in den Hintergrund des Gemäldes ziehenden Fluchtlinien des Wegs und des Rasenrands laden den Betrachter zu seinem eigenen Spaziergang in das Bild hinein ein, zur Teilhabe an einem köstlichen Augenblick, an dem die Zeit stillsteht in der sommerlichen Natur. | ![]() Eugen Spiro: Die Frau und der Sohn des Künstlers im sommerlichen Garten, 1925 Ölgemälde auf Leinwand, 52 x 73 cm im handgearbeiteten Galerierahmen mit Echtgelbgold-Auflage |
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| April 2025 Kunstwerk des Monats Mississippi-Schaufel-Raddampfer Am Rad der Zeit gedreht Kaum ein anderes geschichtliches Verkehrsmittel evoziert sofort ein Bild von Luxus und Magie des Reisens wie der Schaufelraddampfer aus der Hoch-Zeit der großen Flußschiffahrt der USA. Der sanfte Riesen des Mississippi entführt die Vorstellungskraft in die üppige Natur der Südstaaten und die Zauberwelt der historischen Herrenhäuser. Getragen von den Wellen des Ol'Man River und angetrieben von der gebändigten Kraft des Dampfes setzt sich der Schaufelraddampfer in Bewegung zu einer Zeitreise historischer Erinnerungen. Bereits um 1900 / 1910 entstand dieser aufwendige Modell-Nachbau eines Paddle Wheel Steamers. Von den zweistöckigen Aufbauten mit den filigranen Säulen und Bogengängen bis zu dem Portal der beiden Schornsteine und den geschwungenen Freitreppen hat der Erbauer dieses historischen Groß-Modells die Luxus-Architektur mit Hingabe, Können und Akkuratesse bis ins kleinste Detail nachgebildet. Für weitere Informationen hier klicken. | ![]() Detailgetreues Modell eines Mississippi-Schaufelraddampfers "America" um 1900 / 1910 entstanden Holz / Glas / Metall Länge: ca. 595 cm | |
März 2025 Bild des Monats Karl Fred Dahmen: Montage-Bild Jenseits der Kunst Karl Fred Dahmens künstlerische Entwicklung wird geprägt durch die Erfahrung des 2. Weltkriegs und anschließender Kriegsgefangenschaft, nach der er sich künstlerisch neu orientieren muss. Die Notwendigkeit, seine Familie zu ernähren, zwingt ihm in den 1940er und 1950er Jahre noch ein konventionelles bildnerisches Schaffen auf, bis ihm mehrere Reisen nach Paris und die Begegnung mit dem Schaffen des Informels den eigenen Weg in die künstlerische Freiheit weisen. Er erschließt sich in der abstrakten Kunst Ausdrucksformen, in die er eigene Erfahrungen einbindet. Die industrielle Landschaft des Ruhrgebiets, in dem er in den 195oer bis Anfang der 1970er Jahre lebte, findet trotz der Gegenstandslosigkeit seines bildnerischen Schaffens, deutlichen Niederschlag in der dunklen Monochromie seiner Bilder und der reliefartig aufgerissenen Farbfläche, die an das durch den Tagebau versehrte Antlitz des Bodens erinnert. Bald beginnt er auch damit, Fundstücke in seine Gemälde einzubinden, die sich dadurch zu dreidimensionalen Objekten auswachsen. Es sind Fragmente der Industrialisierung, zufällig aufgelesene Bruchstücke der Technik, versprengte Artefakte, die in einen neuen küsntlerischen Zusammenhang gebracht werden. Der Künstler arrangiert sie und stellt sie als dreidimensionale Schaustücke in Objektkästen unter Glas zusammen. Als Dahmen 1968 in den Chiemgau zieht, bringt die Erfahrung der sanfthügeligen Voralpen-Landschaft ein neues Gestaltungselement in das Schaffen des Künstlers. Die schrundige Rauheit der Montagebilder wird ergänzt durch die ruhigen, weichen Formen von stoffbezogenen Polstern. Das Objektbild "Montage" von 1970 greift beide Entwicklungslinien auf. Die industriellen objets trouvés stehen noch im Mittelpunkt der Darstellung, die hinterfangen wird von einer konstruktiven Grafik Dahmens. Die Holzbalken mit ihrer rauh behauenen Oberfläche, die Spuren von Alter und Gebrauch zeigen, vermitteln zwischen menschenveränderter Umwelt und Natur. Sie sind in die weichen Polster eingefasst, die wie eine beruhigende Umarmung der umgebenden Naturlandschaft wirken. | ![]() Karl Fred Dahmen: "Montage" 1970 Mischtechnik (Polster, Seil, Grafik, Holz) 111,5 x 63,5 x 5 cm rückseitig signiert, datiert und betitelt Werkverzeichnis: Weber 00.470 - K 075 Provenienz: - Beim Künstler erworben - Süddeutsche Privatsammlung |
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Februar 2025 Bild des Monats Otto H. Hajek: Bildzeichen Formen-Sprache Wie prägt die Umgebung einen Menschen? Otto Hajek, 1927 in Südböhmen geobren, hatte die farbenfrohe und formenreiche Architektur des böhmischen Barock in seinen prägenden Jahren vor Augen. Als Sohn eines Landwirts war ihm die bäuerliche Bauweise vertraut, in der sich einfache kubische Formen mit einem nie fehlgehenden Sinn für Proportionen verbindet. Als er nach dem Ende des 2. Weltkrieg, aus der alten Heimat vertrieben, in Erlangen und Stuttgart Kunst und Bildhauerei studierte, war es die Frage nach der Kunst im Raum, die ihn früh interessierte. Damit war für ihn zum einen das formale Verhältnis von künstlerischer Struktur und umgebendem Raum gemeint, zum anderen das, was als später sogenannte Kunst im öffentlichen Raum eine visuell erzieherische Wirkung ausüben sollte. Wenn das jeden Tag Wahrgenommene das Empfinden und Denken des Menschen ebenso unbewußt wie stetig formen kann, ist die visuelle Gestaltung seiner Umgebung von ebenso großer Bedeutung wie die intellektuelle Bildung. Fortan war für Hajek die künstlerische Gestaltung des Stadtraums von überragender Bedeutung. Mit temporären Ausstellungen, die über die Museumsgebäude hinaus auf öffentliche Plätze übergriffen oder dauerhaften Installationen von Kusntwerken im öffentlichen Raum war er deutschland- und europaweit bestrebt, mit seiner Kunst öffentliche Zeichen zu setzen. Seine Bildsprache ist geometrisch abstrahierend formuliert, um den unvermischten Grundfarben die Fläche für ihren großen Auftritt zu verschaffen. Farben und Formen interagieren auch in den zweidimensionalen Werken miteinander, Parallelität oder Durchdringen der Formen schafft Dynamik, so dass sich der auf den Bildträger begrenzte Bildraum ins Dreidimensionale zu öffnen scheint. Dem schlanken Format der Bildfläche korrespondiert die Schmalheit der aufsteigenden Linien, die den "Bildzeichen" die aufwärtsstrebende Richtung gotischer Architektur und deren transzendenten Charakter verleiht. |   ![]() Otto Herbert Hajek: Bildzeichen 1988 2 Ölgemälde auf Holzbildträger in Objektkasten, 70 x 25 cm signiert und betitelt "88-3" und "88-5" |
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Januar 2025 Bild des Monats Heiko Pippig: Winterhuhn Chanticleer und das große Weiß Das Huhn, möchte man meinen, ist im Winter nicht in seinem Element. Die Nahrung muss mühsam unter der Schneedecke hervorgescharrt werden, die Kälte fordert den hochtourigen Stoffwechsel des Vogels heraus, die Nässe dringt durch das Gefieder und fürs Eierlegen ist der Winter traditionell keine Saison. Für das Nutztier Huhn ist in der kalten Jahreszeit Effizienzpause, bis es mit wiederkehrendem Sonnenlicht im Frühjahr seinen Halter wieder mit gehaltvoller Nahrung versorgt, eine früher so bang erwartete Bereicherung des Speisezettels, dass der Verzehr von Eiern in das Brauchtum des Osterfests eingegangen ist. Im Winter ist das Huhn ein freigestelltes Haustier, von dem sein Halter nichts abverlangen kann. So stolziert das Winterhuhn von Heiko Pippig in die weiße Einöde hinaus, ohne den Betrachter noch eines Blickes zu würdigen. Auszug in die Freiheit und in die eisige Leere: wer nicht benötigt wird, ist in die Freiheit hinausgestoßen, die Freiheit zu tun, was ihm beliebt und selbst für sein Überleben verantwortlich zu sein. Mit dem prachtvollen Gefieder in feurig glosendem Rot und Kohleschwarz scheint der Einzelgänger aufs erste gewappnet zu sein gegen den Zugriff der Kälte. Und die im Vordergrund rechts und links senkrecht über das Bild laufenden Farbstreifen suggerieren mit der Leerstelle in der Mitte die aufgebogenen Stäbe eines Käfigs, den der Vogel jetzt verlassen kann Richtung freie Natur, auch wenn ihn diese Natur mit eisigen Händen empfangen wird. Adieu Trott der immer gleichen Produktivität, willkommen das Abenteuer des Über-Lebens - zumindest bis zum österlichen Frühling, wenn das Huhn in seinen nicht so goldenen Käfig zurückkehren wird zum Legen der Eier, sonntags auch mal zwei. | ![]() Heiko Pippig: Winterhuhn, 2010 Acryl auf Leinwand, 165 x 145 cm |
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